Liegegurtzeug vs Sitzgurtzeug

Hallo alle zusammen,

ich habe mich in letzter Zeit nochmal mit dem Thema Liegegurtzeug beschäftigt und mich würde gerne interessieren, wie ihr es seht bzw. vielleicht fliegt ihr schon mit einem Liegegurtzeug und könnt aus eigener Erfahrung etwas dazu sagen?

Da ich mich seit einiger Zeit etwas mehr dem Streckenfliegen widme, ist natürlich auch der Gedanke an einem entsprechenden Gurtzeug gekommen.

Ich habe vor einigen Jahren schon mal ein Liegegurtzeug getestet und mich nicht wirklich wohlgefühlt. Insbesondere wenn es turbulent wird, habe ich lieber eine aufrechte und kompakte Körperhaltung. Das ist heute auch noch so, deswegen fliege ich lieber mit meinem normalen Gurtzeug und möglichst aufrecht.

Wenn man mal im Netz über das Thema recherchiert, findet man so einige Berichte dazu. Teilweise auch Tests, die wohl von Fluglehrern oder halt erfahrenen Piloten durchgeführt wurden. Es stellt sich dann recht schnell heraus, dass ein solches LG eigentlich nur Wettkampfpiloten zu empfehlen ist.

Das Ganze wird so begründet, dass bevor ein „richtig“ eingestelltes LG einen aerodynamischen Vorteil bringt, erstmal das volle Potenzial des Schirms genutzt werden sollte, was wohl recht häufig nicht der Fall ist. Denn nur all zu schnell wird gerne auf ein LG gewechselt, weil es einfach cool ausschaut und das Streckenfliegen optisch nochmal unterstreicht. Irgendwie liest man auch immer wieder und bekommt auch selbst das Gefühl, wenn man mal so um sich schaut, dass es schon zu einem gewissen „Must-have“ geworden ist.

Sicherlich ist der Schutz vor Wind und Kälte für Beine und einen gewissen Bereich des Oberkörpers ein gutes Argument und nicht von der Hand zu weisen. Aber das soll wohl auch das einzig wirklich Positive und Nutzvolle an solch einem Gurtzeug sein, wovon der Hobbypilot überwiegend profitiert.

Gewisse Nachteile wie höhere Twistgefahr, etwas schwierigeres Starten und Landen wegen des Beinsacks, schlechtere Unterstützung bei Gewichtsverlagerung, weil man nicht mehr so viel Hebelwirkung hat oder auch ein aerodynamischer Nachteil, wenn das Gurtzeug nicht richtig eingestellt ist, also wenn z. B. die Beine etwas zu tief hängen oder vielleicht auch zu hoch, werden immer wieder genannt und überwiegen eigentlich.
Und natürlich auch preislich spielen sie in einer anderen Liga.

Was ich auch immer wieder zu hören bekomme, wenn ich mich mit Piloten unterhalte, die mit einem LG unterwegs sind, wenn ich das Unwohlsein bei turbulenter Luft anspreche und dann halt lieber aufrecht und kompakt bin, dass man beim LG einfach nur die Beine anziehen braucht und dadurch auch in eine kompakte und stabilere Körperhaltung kommt. Nur muss ich ganz ehrlich sagen, ich habe bisher noch keinen Piloten gesehen, der beim Thermikkreisen in turbulenten Situationen die Beine angezogen hätte. Auch wenn man sich Videos im Netz anschaut, wo es voll zur Sache geht, sieht man eigentlich immer schön die gestreckten Beine im Beinsack, wie sie hin- und hergeschleudert werden.

Da stelle ich mir schon immer wieder die Frage, macht das überhaupt jemand? Oder vergisst man es einfach nur im Eifer des Gefechts oder ist es einfach nur ein Verkausargument, um die letzten Zweifel zu eliminieren, um den Kunden dazu zu bringen, mal wieder bissl Kohle locker zu machen? Oder, oder, oder…

Also was ist es, warum so viele damit rumfliegen? Wie sind eure Erfahrungen und vielleicht kann auch jemand das Ganze mal aus einer anderen Perspektive beschreiben, warum so ein Gurtzeug vielleicht schon Sinn machen kann für den Hobbypiloten?

Ich bin auf jeden Fall gespannt, was hier so an Infos zusammenkommt. :wink:

LG
Sascha

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Hallo zusammen,

hier mal eine kleine Ergänzung zu diesem Thema, da jetzt wieder ein bissl Zeit ins Land gegangen ist und ich für mich mittlerweile neue Erkenntnisse sammeln konnte.

Wo ich oben im Text noch eher eine recht defensive Haltung gegenüber dem Liegegurtzeug habe, kann ich mittlerweile sagen, dass es sich nach gewissen, eigenen Erfahrungen und auch einigen Gesprächen mit anderen Piloten schon deutlich geändert hat.

Eins vorweg, ich bin jetzt mittlerweile doch soweit, dass ich mich auch auf die Ebene „Liegegurtzeug“ vorwagen möchte und werde. Ich habe versucht das Thema in letzter Zeit aus verschiedenen Blickrichtungen zu betrachten. Mir hat dabei natürlich auch geholfen, dass ich bewusst versuche mehr auf Strecke zu gehen und dadurch gewisse Situationen entstehen, die mir bei kürzeren Flügen eher weniger begegnen.

Bisher war es so dieses Jahr, dass es in gewissen Höhen leider oft nur anständige Minusgrade hatte. Dadurch bekommt das Argument „mehr Schutz und Wärme durch den Beinsack“ viel mehr Bedeutung.

Bisher habe ich versucht über Kleidung mich vor der Kälte zu schützen, funktioniert aber leider nur bedingt über einen gewissen Zeitraum. Außer man nimmt es in Kauf, reichlich Kleidung mit sich zu führen und sich dann kaum noch bewegen zu können.

Ein Problem, was dabei entsteht, wenn es kühler wird, ist dass die Muskeln irgendwann anfangen zu krampfen, weil der Körper sich warm halten möchte und man einfach nicht mehr so komfortabel unterwegs sein kann. Es wird mehr Energie verbraucht, die einem dann bei längeren Flügen vielleicht an anderer Stelle fehlt. Somit geht auch recht schnell der Komfort verloren, den es aber doch für einen längeren und effektiven Flug irgendwo braucht. Ich vergleiche es mit dem Autofahren, da kann ich auch entspannter und länger fahren, je komfortabler die Sitze sind und das Fahren positiv beeinflussen.

Der Komfort ist beim Liegegurtzeug ein wesentliches Merkmal und besteht nicht ohne Grund. Wie oben schon erwähnt, Komfort ist nicht ganz unwichtig, um über einen längeren Zeitraum effektiv fliegen zu können.

Ein weiterer Punkt ist die Sicherheit und die höhere Twistgefahr. Durch das eine oder andere Gespräch mit anderen Fliegern, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass ein aktiv fliegender Pilot auch in diesem Bereich viel Einfluss nehmen und entsprechend sicher unterwegs sein kann. Das fand ich sehr interessant und ist bei mir hängen geblieben. Und irgendwo macht das durchaus auch Sinn.

So wie ich beim Schirm positiv Einfluss nehmen kann durch einen aktiven Flugstil, gilt das auch für das Fliegen mit einem Liegegurtzeug. Einfach nur reinlegen und losfliegen unterstützt keineswegs ein sicheres Fliegen, was natürlich irgendwo auch für ein Sitzgurtzeug gilt.

Es muss sich einfach mit dem LG beschäftigt und auseinandergesetzt werden und verschiedene Techniken sollten ausprobiert werden. Man kann doch viel selbst beeinflussen.

Ich habe jetzt in einem Gurtzeug probegesessen, dass ich für mich als geeignet sehe und konnte schon alleine dadurch gewisse Dinge ausprobieren und herausfinden. Sicherlich nicht zu vergleichen mit realen Flugbedingungen, aber durchaus auch nützlich für den Anfang.

Ich werde demnächst noch ein Update geben, sobald ich erste Erfahrungen im Flug sammeln konnte.

Es bleibt auf jeden Fall spannend und freue mich schon richtig auf diese Zeit.

In diesem Sinne bis bald.
Sascha

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