Starkwindstart mit der Curb-Technik

True Story: Neulich beim Streckenflug im Ötztal wurde und so kalt, dass wir uns dazu entschieden haben auf einem breiten Gipfel top zu landen und uns erstmal wieder aufzuwärmen. In der kurzen Zeit am Berg hat der Wind aber so stark zugenommen (+30 km/h), so dass ein ungefährliches Starten einfach nicht möglich war. Zu groß war das Risiko bei einem Fehler über den Gipfel rausgezogen zu werden und hinten die Felskante hinunterzustürzen.

Nach fast 2 Stunden warten blieben uns nur zwei Möglichkeiten:

  1. Mehrere Stunden absteigen mit einer unklaren Lawinensituation. Und das ganze bis in die Nacht hinein. Natürlich keine Stirnlampen dabei :see_no_evil:
  2. Oder hoffen, dass der Wind irgendwann wieder abnimmt und man doch noch irgendwie Starten kann.

Der Wind hat zur Dämmerung hin etwas abgenommen. Allerdings nicht sonderlich viel. Während der Wartezeit hat Sascha sich allerdings an die Curb Technik erinnert, welche wir vorsichtig zusammen (einer eingehängt am Schirm, der andere als Backup am Schirm) ausprobiert haben. Und siehe da, es hat trotz starkem Wind dann doch noch super funktioniert und wir haben uns den langen Abstieg erspart.

Ich kann die Curb Technik nur jedem nahelegen beim Groundhandeln mal auszuprobieren und für solche Situationen zu üben. Hier dazu 3 Videos:

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Die war perfekt für die Situation und sehr hilfreich. Vor allem sehr unkompliziert und wie Stefan schon geschrieben hat, sollte man die unbedingt im Re­per­toire haben.
Also sehr zu empfehlen. :blush::+1:

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Sehr interessanter Beitrag!
Und sicher eine gute Technik, um mit Starkwindverhältnissen klar zu kommen.
Ich habe mir auch die Videos dazu angesehen und in denen sieht man gut wie die Technik funktioniert. Allerdings könnten die Bedingungen im Video durch die laminare Strömung am Strand nicht besser sein.
Eine Sache aus den Videos würde ich persönlich allerdings bei Starkwind am Berg nie machen: Ich würde bei schwierigen Startverhältnissen niemals den Schirm absichtlich auf die Nase drehen. Das ist erstens schlecht fürs Material und kann einen zweitens schnell in eine ungemütliche Situation bringen, da der Schirm nicht mehr so gut kontrollierbar ist. Vor allem am Berg wo die Windrichtung und Windstärke nicht so gleichmäßig ist. Wenn einen da der Wind blöd erwischt, hat man ein Problem.
Wie seht ihr das? Mit der Starttechnik habe ich noch nicht allzu viel Erfahrung, da ich andere Techniken bevorzuge…

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Das hatte ich mir auch gedacht :joy: Da gehts beim Toplanden aufm Gipfel schon anders zu.

Servus zusammen,

also ich habe diese Startechnik schon ein paar mal verwendet, auch mitm Tandem. Ich finde sie klasse und funktioniert sehr gut.

Sicherlich schaut es in dem Video alles sehr entspannt aus. Der laminare Wind ist da zum Erlernen und Üben natürlich perfekt. Auch dass er da einen Little Cloud Schirm einer gewissen Kategorie verwendet, der für Starkwind-Geschichten sehr einfach und unkompliziert zu händeln ist, kommt auch dazu.

Den Schirm auf die Nase zu drehen bei Schwierigkeiten finde ich jetzt auch nicht so optimal. Wobei man jetzt hier nicht vergessen darf, dass er den Schirm am Rand des Windfensters hält, was es jetzt auch etwas entspannter aussehen lässt.

Den Schirm in der Power Zone auf der Nase gedreht zu haben sehe ich auch sehr kritisch bei starkem Wind (25 - 35 km/h), da kann es einen anständig wegreißen, wenn man nicht weiß, wie man in dieser Situation damit umgehen sollte. Am Berg mit nicht viel Platz und nach hinten hin nur abfallendes Gelände, definitiv lebensgefährlich. Da kann es dann natürlich auch sein, dass der Schirm immer wieder gerne auf die Nase knallt, was dann nicht fein fürs Material ist, wie bereits von Michi angesprochen.

Das Nächste ist, wie auch schon angesprochen, in den Bergen kommt der Wind ja eher unregelmäßig daher und immer wieder auch gerne aus unterschiedlichen Windrichtung, sprich wenn man dann Probleme bekommt, heißt das für normal, dass der Schirm nicht entspannt einfach am Rand des Windfensters liegen bleibt, wo ich dann erstmal Zeit habe ihn auf die Nase zu drehen, um ihn dann danach zu sichern. Mir erscheint dieser Schritt des auf die Nase drehens in der Situation überflüssig bzw. benötigt dieser Schritt Zeit, die mich vielleicht in noch mehr Schwierigkeiten bringen könnte.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es schneller geht, so wie ich den Schirm aufziehe, ihn auch wieder ablegen und sichern kann.

Generell würde ich aber sagen, wenn es um Probleme geht, dass es am besten ist, wenn man verschiedene Techniken beherrscht und entsprechend individuell reagieren kann. Denn bei all meinen Groundhandling Übungen hatte ich immer das Gefühl, jede Aufziehtechnik hat ihre Stärken und Schwächen. Wo die Eine ihre Schwäche hat, kann eine andere Technik gut aushelfen.

Worauf ich noch gerne eingehen würde ist, was muss ich tun, wenn ich keinen Sand, keinen Schnee oder irgendwas anderes zur Verfügung habe, um das Ende des Schirms, was zum Wind positioniert ist, zu sichern. Es wird erwähnt, dass ich mein Gurtzeug nehmen kann. Zum Leinen sortieren passt das auch gut, nur muss ich ja irgendwann das Gurtzeug auch anlegen und der Schirm bleibt dann nicht einfach liegen auf einer Wiese oder so bei einem 25er Wind oder mehr. Schon garnicht ein leichter Bergschirm oder z. B. ein Single Skin. Ein Tandemschirm bleibt bis zu einer gewissen Windstärke eher noch liegen, aber ist auch von mehreren Faktoren abhängig, wie Untergrund, Neigung des Geländes und wie trifft der Wind dort aufs Gelände etc.

Man kann dann die Hälfte des Schirms, die zum Wind zeigt, zusammenraffen. Das macht ihn deutlich stabiler. Wie viel, muss man einfach austesten, ein Drittel, bis zur Hälfte oder mehr, einfach der Situation angepasst und je nach Schirmgewicht.

Zum Abschluss möchte ich sagen, ich kann jedem diese Technik nur ans Herz legen, wenn man auch gerne bei stärkerem Wind in die Luft kommen möchte. Ist sehr ähnlich wie die Cobra- Technik, aber finde ich gerade in der vorbereitenden Phase deutlich einfacher, überschaubarer und unkomplizierter.

Also soviel mal dazu von meiner Seite. :wink:

LG

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