Touren-/Erlebnisbericht: Berge. Ein Sohn. Eine Mom. Eine Tandemausrüstung 🇦🇹

Das Tandem Gleitschirmfliegen ist eigentlich schon an sich immer wieder ein wunderschönes Erlebnis. Die Momente, die man dort mit diesem Menschen erleben darf, der sein Leben in deine Hände legt, um gemeinsam etwas großes zu erfahren, sind manchmal einfach unbeschreiblich.

Wenn man nun das Ganze auch noch mit einem geliebten Menschen erleben darf, der einem sehr nahe steht, können es Momente für die Ewigkeit werden.

HIKE&Fly mit MEINER MOM

Corona war auf jeden Fall für jeden eine ganz spezielle Zeit und ist es bei vielen auch immernoch.
Bevor es zum Lockdown kam, hatte sich meine Mom für einen kleinen Urlaub für 3 Wochen bei mir einquartiert. Nun, aus 3 Wochen wurden 11. :sunglasses: Doch wir haben die Zeit gut genutzt.

Die erste Herausforderung war, meine Mom so fit zu bekommen, dass sie mit einem Rucksack von ca. 6 kg um die 1200 HM gehen kann. Warum das eine Herausforderung war? Nun, meine Mom lebt in einer Gegend, wo man sich auf einer Höhe von ca. 70-80 m über NN bewegt und das Nächste ist, meine Mom ist 65 Jahre alt. Da sie generell ein sportlicher Mensch ist, war ich ziemlich zuversichtlich, dass sie sich gut an unsere Höhen gewöhnen würde.

Das Training durfte also beginnen. Angefangen mit ein paar strammen Spaziergängen in meiner direkten Umgebung…

und zwischendurch ein paar Trainingseinheiten im Garten, konnten wir das Level so nach und nach steigern.

Es kamen ein paar Trails hinzu, mit ein paar direkten Aufstiegen bis zu einer gewissen Höhe.
Zwischendurch genossen wir natürlich auch mal die Aussicht und feierten das Geleistete.

Ein gewisses Level war erreicht und das Datum, wann wieder offiziell geflogen werden darf, war nun von der Regierung gelegt. Es sollte der 1. Mai sein. Jetzt waren es noch ungefähr 3 Wochen und es wurde Zeit mit Gepäck zu trainieren.

Und dann war es endlich soweit, es war der 4. Mai und das Wetter sah gut aus für eine erste Hike&Fly Tour. Hochötz, wir kommen!

Und so sah der Plan aus:

Gebraucht haben wir ungefähr 3,75 Std. mit einer kleinen Pause auf der Acherberg-Sennhütte auf 1893 m. Der Schnee zum Schluss war für meine Mom nochmal eine kleine Herausforderung, das war dann reine Kopfsache. Das Ziel war zu sehen, es waren noch ungefähr 150 HM und jetzt zeigte sich, was unser Training gebracht hat. Meine Mom war fit wie ein Turnschuh. :stuck_out_tongue_winking_eye: Nein, natürlich war sie mehr als das und somit kam sie nicht zu kaputt oben an und hatte auch noch etwas Energie für den Start und den Flug.

Wie das Ganze ausah, könnt ihr hier sehen:

Es war ein mega Tag mit einem tollen Flug mit guter Thermik. Leider war es doch noch etwas frisch da oben, dass wir nur bis etwas über den Acherkogel aufgedreht haben und dann nachher ins Tal rausgeflogen sind. Auf jeden Fall ein genialer Einstieg in unsere Hike&Fly Serie.

Für meine Mom war das natürlich ein tolles Gefühl, diese Tour geschafft zu haben, den Körper in dieser Form und mit der Anstrengung gespührt zu haben und sagen zu können, wenn man sich fit hält und gesund bleibt, kann ich auch noch solche tollen Abenteuer erleben. Das fühlte sich nach Leben an, nach Freude, nach Glücksgefühlen, nach Belohnung für die ganzen Wochen zuvor und nach vielem mehr.

Aber das sollte erst der Anfang sein. Insgesamt haben wir dann 4 Touren gemacht

TOUR 2

…ging auf die Platteinwiesen hoch. Das war mittlerweile kein Problem für meine Mom.

ACHTUNG!!! KUHALARM!!!

Das Spannenste an dieser Tour und wohl auch zu gleich das Gefährlichste, waren die Kühe im Landefeld. Zum Glück wiegt der Sir Edmund Tandem nicht so viel, dass wir gut vor den Kühen wegrennen konnten, die von hinten mit vollem Speed in unsere Richtung unterwegs waren. Wäre ich 5 - 10 Sekunden langsamer gewesen, hätten sie mich wohl erwischt, aber ich konnte dann noch rechtzeitig über den Zaun huschen. Es waren dann letztendlich 2 sehr große, ausgewachsene Kühe, die unsere Anwesenheit wohl nicht so toll fanden. Das waren Erschütterungen und ein Sound, den man über den Boden wahrgenommen hat, den man wohl nie vergessen wird.

TOUR 3
Ein großer Wunsch ging in Erfüllung

Die dritte Tour ging auf den Laggers. Definitiv musste meine Mom hier an ihre Grenzen gehen.

Dies galt es zu erfüllen:

Der Weg ist einfach super, sehr abwechslungsreich, aber auch sehr lange sehr steil.

Der Ausblick ist auf jeden Fall immer wieder der Wahnsinn.

Da steht sie, die kleine Mom. :blush: :muscle:

Auf die letzten 200-300 HM wurde es dann nochmal sehr fordernd für meine Mom.
Wir mussten deutlich mehr Pausen einlegen und es musste auch mal ein Powerriegel her.
In diesen ganzen 11 Wochen bei mir, hat sie wieder viel über sich und was sie leisten kann, lernen dürfen. Und wisst ihr was?! Ihr hat es voll getaugt! :sunglasses: :call_me_hand:

Hier eine kurze Sequenz von den letzten Metern, aufgenommen mit Callis Drohne :blush::

Endlich waren wir oben angekommen und konnten uns auf einen tollen Flug freuen.
Und jetzt kommen wir zu dem Teil, wo für mich ein lang gehegter Traum wahr wurde.

Kaum gestartet waren wir auch schon in der Thermik und konnten innerhalb von Sekunden deutlich Höhe machen. Meine Mom hatte ein neue Aufgabe bekommen, nämlich die der Funkerin.
Das wurde dann auch für mich eine recht anspruchsvolle Sache, da ich in doch recht anspruchsvoller Thermik sie in die Geheimnisse des funkens einweisen musste. :see_no_evil:
Es hatte nämlich der Funk über das Headset nicht so richtig geklappt, dass wir auf Handbetrieb umstellen mussten.

Stefan und Calli waren mit von der Partie und wir wollten schauen, dass wir gemeinsam Richtung Zams fliegen. Die beiden sind vor uns gestartet und hatten schon Bekanntschaft mit der sportlichen Thermik an dem Tag machen dürfen. Calli haben wir irgendwann aus den Augen verloren und Stefan wurde sehr gut von meiner Mom unterhalten über Funk: Stefan!? Stefan!? Wo bist duuuuuu? Es war einfach köstlich. :joy: :call_me_hand:

Da meine Mom schon sehr kampferprobt ist, was das thermische Fliegen angeht (insgesamt an die 50 Flüge mit mir), konnte sie trotz der ganzen Schüttellei an dem Tag den Flug sehr genießen. Und ich konnte endlich einen kleinen Streckenflug mit ihr machen, yipeee! :smirk: :grin: :star_struck: Das Besondere war unter anderem auch, dass wir das mit dem Single Skin gemacht haben, dem Sir Edmund Tandem mit 31qm von Skyman. Einfach ein toller Schirm mit viel Potenzial.

Leider gibt es von den 3 Touren nach Hochötz keine Videoaufnahmen, da wir uns immer voll und ganz auf das Erlebnis einlassen wollten.

TOUR 4
Ein super toller Abschluss

Die letzte Tour konnten wir im Stubaital machen, aufs Kreuzjoch hoch.

Vom Parkplatz weg von der Talstation Schlicker Bahn ging es los. Eine wunderschöne Tour (siehe hier Tourenbericht Schlick 2000…).

An dem Tag hatte meine Mom etwas schwere Beine. So langsam spürte sie die letzten 10 Wochen, wo wir echt sehr fleißig waren mit viel Bewegung, um die Fitness zu verbessern.
Aber diesen Abschluss wollte sie sich nicht nehmen lassen. :sunglasses: :muscle:

Wunderbar, geschafft!!!

Und auch hier wurden wir wieder mit einem bombastischen Flug belohnt. Direkt in die Thermik rein und bis auf ca. 2.700 m aufgedreht. Ein wenig rumgeflogen, mal bissl hier und dort die Felsen aus der Nähe betrachtet und sich wieder bissl aufgewärmt.

Dann hatte es eigentlich schon den Anschein, dass es langsam Richtung Landeplatz ging, aber dann packte mich nochmal die Motivation und wir konnten wieder von ca. 400-500 m über Talhöhe auf bis ca. 2.800 m aufdrehen. Und, das wieder mit dem Single Skin. :stuck_out_tongue_winking_eye: :sunglasses: :muscle: Einfach nur GEIL!!!

FAZIT

Eine unbeschreibliche Zeit mit vielen Höhepunkten und voller großer Dankbarkeit, dass ich das alles mit meiner Mom erleben durfte. Aber auch für sie eine Zeit, die einen Wert bekommen hat, den man mit nichts auf der Welt vergleichen könnte.

DANKE! DANKE! DANKE!

Liebe Grüße!
Sascha und Mom :blush: :wink:

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