Tourenbericht: Winter Biwak Tour Glanderspitze inkl. Hubschrauberbergung 🇦🇹

Im April 2018 war eine kurze Skitour (ca. 310 HM) mit Biwak geplant. Mit der Venet Bahn ging es hoch auf den Krahberg und von da aus mit den Tourenski auf die Glanderspitze.

Es war meine erste Skitour mit recht kurzen Ski, die rein für den Aufstieg gedacht waren. Mit dem ganzen Gepäck auf dem Rücken war ich eigentlich zu schwer, aber da der Aufstieg nicht wirklich kompliziert war, ging das schon.

Der Aufstieg gestaltet sich recht einfach, da das Gelände überwiegend recht flach ist und erst im letzten Drittel steiler wird.

Oben am Gipfelkreuz hat man eine tolle Aussicht in fast alle Himmelsrichtungen.

Vor allem kann man da oben sowohl den Sonnenuntergang, als auch den Sonnenaufgang genießen. :blush:

Es hatte reichlich Schnee, dass ich mir ein feines, windgeschütztes Plätzchen schaufeln konnte.

Temperaturen lagen bei -14° C.

Der Abstieg

Am nächsten Morgen hatte es zwar einen tollen Sonnenaufgang, aber unerwartet richtig viel Wind, dass leider an fliegen nicht zu denken war.

Und somit war ich in einer Situation, mit der ich absolut nicht gerechnet habe. Das ist Natur.

Also musste ich schauen, dass ich mit den zu kleinen Ski und dem ganzen Übergepäck wieder sicher runterkomme.

Die Abfahrt war natürlich sehr abenteuerlich und sehr kräftezehrend, was mich dann an einem gewissen Punkt auch dazu bewegt hat, eine falsche Entscheidung zu treffen. Die steile Passage war geschafft und der Gedanke war nur noch runterzukommen. Anstatt mich für die sichere Variante zu entscheiden, Richtung Venet Bahn aufzusteigen, bin ich den Spuren anderer Tourengeher gefolgt, da ich wusste dass ab einer gewissen Höhe man wieder auf den einen oder anderen Weg kommt.

Da irgendwann die Bäume mehr wurden und ein vernünftiges, sicheres Skifahren für mich mit dem Gepäck nicht mehr möglich war, da auch meine Energie immer weniger wurde, hatte ich mich dazu entschlossen, die Ski abzuschnallen und zu Fuß weiterzugehen.

Und wie sollte es auch anders sein, habe ich irgendwann die Spur verloren. Es ist erstaunlich wie sehr ein sehr kraftloser Körper einen dazu bringen kann Fehlentscheidungen zu treffen.

Das Gelände wurde irgendwann wieder steiler und es kam wie es kommen sollte, dass ich in einen Bereich kam, wo auf einmal nur noch eine kleine Steilwand vor mir lag. Es ging also nicht mehr vor, links war eine steile Rinne und rechts genauso.

Ich hatte es geschafft alle vernünftigen Wege in der Gegend zu umgehen und an dieser Stelle zu landen :man_facepalming:Wieder hoch war auch nicht machbar in dem tiefen Schnee und körperlich war ich sowieso einfach am Ende. Da ich von meiner Ausrüstung her gut ausgestattet war, wusste ich, dass ich ohne weiteres noch eine Nacht am Berg verbringen könnte.

Der Notruf

An dem Tag kam wirklich vieles zusammen, der Akku meines Handys ging bereits in der Früh leer, weil ich bei der Kälte noch einige Fotos machen musste/wollte. Der Akku war bei 50%, aber durch die Minusgrade ging es dann ganz schnell. Somit konnte ich niemanden kontaktieren.

Mir blieb dann nichts anderes übrig, als darauf zu vertrauen, dass meine damalige Freundin bereits die Bergrettung verständigt hatte und ich „nur“ noch darauf warten musste, dass sie mich finden.

Ich hatte dann das Glück, dass der Hubschrauber beim letzten Turn des Tages über mich geflogen ist und ich mit meiner Stirnlampe auf mich aufmerksam machen konnte. Somit wurde ich dann in der Dämmerung mit dem Tau geborgen und durfte die Nacht doch noch daheim in meinem Bett verbringen.

Fazit

Bei dieser Tour habe ich wahnsinnig viel gelernt. Erschreckend war für mich, wie schnell man sich doch in einer ausweglosen Situation wiederfinden kann. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon so einige Winterbiwaks hinter mir und auch das Gelände war mir bis zu einem gewissen Grad bekannt, aber mit sowas hätte ich nie gerechnet.

Heute würde ich nie wieder den sicheren, sichtbaren Weg gegen einen nicht 100%ig
bekannten Weg eintauschen, wenn ich kräftemäßig so beieinander wäre wie bei dieser Tour. Ich hätte mir einfach nur die Zeit nehmen müssen, den Aufstieg Richtung Venet Bahn zu gehen, auch wenn ich 2-3 Stunden aufgrund meiner fehlenden Energie gebraucht hätte.

Heute habe ich nochmal deutlich mehr Respekt gegenüber der Natur, vor allem den Bergen. Touren plane ich mittlerweile viel bewusster, rechne hier und dort mehr Spielraum ein für unvorhersehbare Veränderungen und habe meine Ausrüstung nochmal mehr optimieren können.

Ich kann also nur sagen, passt auf euch auf, denkt die Dinge lieber zweimal mehr durch, dass ihr auch immer sicher heim kommt.

In diesem Sinne…

LG
Sascha

2 Like

Wow! Was für ein genialere Tourenbericht. Bitte mehr solche spannende und ausführliche Stories :books:

Zum Glück ging alles gut aus. Das war sicher eine Situation die einen in der Gefahren- und Risikoeinschätzung in den Bergen deutlich weiter bringt.

Wie ist das mit dem Biwaksack im Winter? Machst du das öfters oder empfiehlst du im Winter doch lieber ein Zelt?

Danke dir Stefan. Freut mich, dass dir der Tourenbericht zusagt. :blush:

War auf jeden Fall eine Erfahrung, die mich sehr geprägt hat.

Zu deiner Frage mit dem Biwaksack.
Es ist bei mir immer so eine Gefühlssache, mal mag ich mit dem Biwaksack unterwegs sein, manchmal mit dem Zelt.

Mit dem Biwaksack ist man einfach noch ein bissl näher an der Natur. Ich brauche in der Nacht nur die Augen öffnen und habe direkt den Sternenhimmel vor mir. Oder man spürt am Gesicht direkt die Luft, wenn ein leichter Wind geht etc.

Ich benutze allerdings den Biwaksack in der 2-Personenausführung, da ich so auch all meine anderen Sachen schützen kann vor äußere, wetterliche Einflüsse, wenn es z. B. doch mal regnet oder schneit.
Und die Isomatte passt auch mit rein und hat dann von unten noch einen kleinen Schutz vorm Untergrund. Gerade bei so ultraleichten Isomatten wie z. B. die Neo Air UberLite von Therm A Rest kann das nicht verkehrt sein.

1 Like