Wie sicher ist ein EN-B Gleitschirm?

Gleitschirm Sicherheitstrainer Theo de Blic sagt „sehr sicher“. Die meisten Unfälle passieren, weil Piloten überreagieren und dann ganz einfach „alles falsch machen“.

Most of the paragliding accidents happen because pilots tends to overreact to any problems in the sky and they are just doing everything wrong. When I teach SIVs I try to show to pilots that their EN-B wings are actually very safe and that they can rely on it. If they don’t understand or are in doubts it is better quite often to just let it fly and do its job.

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Das mit der Einstufung eines Schirms und wie sicher man damit unterwegs sein kann, ist glaube ich ein ewiges Thema.

Auf der einen Seite ist es auf jeden Fall eine gute Möglichkeit sich zu orientieren, man merkt aber auch immer wieder, wie oft sich der/die eine sehr stark darauf versteift. Ich denke mal alles, was heut zu Tage sich im Bereich EN A und EN B abspielt, bringt eine gute, passive Sicherheit mit. Wobei die Betonung auf passiv liegt und natürlich immer auch die reale Situation, in der man sich befindet eine große Rolle spielt und was noch viel wichtiger ist und auch im Beitrag erwähnt wird, wer drunter hängt und wie er mit dem Schirm umgehen kann.

Deswegen ist es sehr wichtig auch mal ein Sicherheitstraining zu absolvieren oder bestenfalls mehrere Trainings zu absolvieren. Was man da nämlich auch wunderbar lernt, abgesehen von den ganzen Flugmanövern und Flugfiguren, wie man sich in extremen Situationen verhält. Bekommt man eher Panik oder bleibt man eher ruhig. Wenn man das mal weiß, finde ich es wichtig entsprechend daran zu arbeiten.

Ich fliege z. B. eine Little Cloud Goose Mk3 23.5 und die ist an Piloten gerichtet, die sich im EN C Bereich bewegen. Aber ich muss sagen, dass ich mich noch nie sicherer gefühlt habe, wie bei diesem Schirm. Wenn ich an meinen A-Schirm denke, der der war recht weich in der Luft und bei dem habe ich mich in unruhiger Luft nie richtig wohlgefühlt. Natürlich darf man auch nicht vergessen, dass ich damals noch nicht die Erfahrung von heute hatte. Das Gefühl ist einfach wichtig, was man beim Fliegen hat. Man muss sich wohlfühlen, ein bissl was ausprobieren und wenn das Gefühl immernoch passt, dann ist es der richtige Schirm, ob der jetzt mit EN A, EN B oder sogar EN C eingestuft ist.

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Hallo in die Runde,
nachdem ich es nun endlich geschafft habe, mich hier anzumelden, finde ich hier gleich das Thema, das mich gerade beschäftigt. Auch wenn sich bei mir die Frage nun eher auf die C-Klasse beschränkt. Ich fliege nun seit 7 Jahren und hatte gleich nach 3 Jahren einen Retterabgang (ggf. eigenes, langes Thema). Diesen konnte ich nie richtig verarbeiten, bis ich letztes Frühjahr entschied, für eine gewisse Zeit zurück auf einen Low-B zu gehen. Nach nun über einem Jahr mit dem Epsilon 8 inkl. Sicherheitstrainings bin ich nun wieder selbstbewusst und glücklich unter dem Schirm. Auch, wenn die Bedingungen mal weniger schön sind. Nun teste ich seit einiger Zeit wieder im High-B Bereich und hatte mit dem Advance Xi einen echten Favoriten. Nach langem hin und her und Empfehlungen von Piloten, die ich selbst als weniger risikofreudig einstufe, habe ich mich nun doch dazu hinreißen lassen, den Alpina 3 zu testen. Beim ersten Thermikflug bei durchaus bockiger Ostwindlage war ich erst angespannt, weil das kleine C doch im Hinterkopf mitflog. Mittlerweile habe ich ihn mehrere Tage testen können und kann sagen, dass ich noch nie einen ausgewogeneren und komfortableren Schirm geflogen bin. Klar, man muss ihn schon aktiver fliegen als unterklassige, aber das Fluggefühl ist der Hammer. Dennoch hab ich mir mal gesagt: „Die C-Klasse wirst du niemals betreten“. Ich bin hin und hergerissen. Wie denkt ihr über die Kategorisierung und wie fällt ihr eure Klassen- und Schirmentscheidungen? Viele Grüße, Max

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Hey Max. Schön dich hier zu sehen!

Ich hab mich vor zwei Wochen mit dem Michi aus Landeck recht lang über das Thema unterhalten. Ein mega erfahrener Streckenflieger. Er war ewig mit einen EN-B Schirm unterwegs und damit sehr happy und wäre, soweit ich das verstanden habe auch immer noch. Er wurde dann allerdings schon fast „gezwungen“ einen EN-C Schirm zu fliegen (ich glaube auch den Ozone Alpina) und ist damit auch super glücklich. Er hat damit aber auch schon einige Schreckenserfahrungen erlebt.

Der Michi hat auf jeden Fall eine sehr ehrliche und demütige Meinung zu dem Thema. Ich frag ihn mal ob er hier öffentlich darüber schreiben will, ansonsten stell ich gerne auch den direkten Kontakt her.

Ansonsten: ich flieg ja inzwischen neben dem Ozone XXLite 2 Single-Skin noch einen Mentor 5 Light. Ich bin zufrieden damit, muss aber sagen, dass der Advance Xi von allen Schirmen die ich bisher geflogen hab und auch vom Gewicht und Packmaß mein absoluter Lieblingsschirm ist.

@Calli fliegt auch den Xi. Sowohl für Strecken als auch Hike & Fly und ist auch super zufrieden damit.

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@berglicht Hallo Max, erstmal herzlich willkommen in der Runde.

Danke dir für den Einblick in deine Erfahrungen und was dich derzeit beschäftigt.

Gerne mag ich dazu ein paar Worte sagen.

Kurz vorweg, was ich jetzt hier schreibe, ist mehr auf Piloten bezogen, die schon eine gewisse Erfahrung haben und keine Einsteiger mehr sind. Weil ich finde als Einsteiger muss man das Ganze natürlich noch etwas anders betrachten.

Ich habe zwar in meinen 10 Jahren noch keinen Retterabgang gehabt, aber durchaus schon zwei Abstürze und andere sehr unangenehme Situationen erleben dürfen, die an meinem Selbstbewusstsein genagt haben.

Ich fand es für mich immer sehr wichtig zu wissen, warum ist es zu diesen Situationen gekommen und muss ganz klar sagen, dass es immer an mir gelegen ist und nie etwas mit dem Schirm und seiner Kategorisierung zu tun hatte.

Ich würde mal versuchen mich von diesen Einstufungen zu lösen. Wie bereits oben erwähnt, ist es eine gute Möglichkeit sich grob zu orientieren, aber dabei würde ich es auch belassen.
Also ich kann zumindest mal für mich sagen, dass ich nie einen D-Schirm fliegen würde. Was aber jetzt nicht nur mit der passiven Sicherheit zusammenhängt und mit meinen Fähigkeiten als Pilot, sondern auch daran, dass mein Interesse, was ich an der Fliegerei habe, einen solchen Umstieg nicht notwendig machen würde. Als Beispiel, ich bin ein gemütlicher Autofahrer, da würde ein Porsche bei mir keinen Sinn machen.

Was ich damit sagen möchte, hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, was du dir wirklich erwartest vom Fliegen? Also ist es dir wichtig große Strecken zu fliegen oder ist es dir wichtig besonders schnell zu fliegen oder willst du mal in den XC-Wettkampfbereich einsteigen oder ist es einfach sich ohne mechanischen Hilfsmitteln in die Luft zu bewegen wie ein Vogel und dieses Gefühl zu genießen? Denn ich kann mir gut vorstellen, gerade wenn die Gedanken mehr in die ersten drei Bereiche fallen, dann geht es oft um Leistung und mir kommt immer wieder vor, wenn ich mich mit anderen Piloten unterhalte, dass Leistung, in meinen Augen, oft nicht richtig definiert wird und gerade das dazu führt, dass man meint Schirme fliegen zu müssen, die einfach nicht zu einem passen.

Ich habe mir meine Schirme, die ich getestet habe und als möglicher Nachfolger in Frage kämen, immer selbst ausgesucht, ohne jeglichen Einfluss von anderen Piloten. Sprich ich habe mich grob an der Kategorisierung orientiert und geschaut, was die einzelnen Hersteller in dem Bereich führen und wie sie ihre Schirme beschreiben, für welches Pilotenprofil sie gedacht sind. Da ist es natürlich wichtig zu wissen, was man will, was einem wichtig ist und wie ist mein fliegerisches Können.

Sprich versuche so ehrlich wie möglich zu dir selbst zu sein und lasse andere Meinungen mal außen vor. Ich würde mir Fragen stellen wie, wie schätze ich mein Können ein, wie schätze ich mein Reaktionsvermögen ein bei unangenehmen Situationen, wie schätze ich meine mentalen Fähigkeiten ein, oder was ich viel wichtiger finde, was ist es, was mich eigentlich an diesem Sport so fesselt?

Bei mir steht z. B. im Focus einfach Spaß zu haben und das Fliegen ansich genießen zu können. Und da spielt es für mich keine Rolle, ob ich heute besonders hoch fliegen kann oder besonders weit oder besonders kurz oder besonders lang, deswegen ist für mich das allgemeine Gefühl, was ich habe wenn ich unter einem Schirm hänge, wichtig.

Weil ich denke mir, wenn ich mich absolut wohlfühle unter einem Schirm und mir völlig bewusst bin, was kann der Schirm, was sind meine Fähigkeiten und fliege ich bei jedem Flug immer mit dem nötigen Respekt und dem richtigen Bewusstsein gegenüber dem Sport und dem Restrisiko, was er mit sich bringt, dass ich dem möglichst sicheren Fliegen am nähesten komme.

Hier noch ein kleines Besispiel, was vielleicht nochmal einen anderen Blick auf das Ganze bringt:

Ein A-Schirm ist in der Regel eher etwas träge in seinen Reaktionen, was ja auch bewusst so gemacht ist, damit der Schirm bei Störungen entsprechend auch wenig stark reagiert. Er hat in gewissen Bereichen mehr Puffer, z. B. was das weit runterziehen der Bremsen und den Strömungsabriss angeht etc. Der Pilot hat also etwas mehr Zeit zu reagieren oder kann hier und dort auch die Reaktion auslassen, ohne dass etwas passiert. Aber auch hier kommt es immer auf die Luftmassen an, in denen sich dieser Pilot bewegt. Auch da kann es zu Situationen kommen, wo der Pilot aktiv sein muss.

Im Gegensatz dazu nehme ich mal meinen Schirm mit C Klassifizierung. Dieser Schirm reagiert hier und dort etwas schneller und etwas stärker, hat aber auch eine sehr hohe Pitch-Stabilität, also hat auch keine große Tendenz vorzuschießen, was schon mal zu einer guten, passiven Sicherheit beiträgt. Was aber macht für mich diesen Schirm jetzt nicht weniger sicher, wie ein A-Schirm? Als aktiver Pilot weiß ich bei gewissen Reaktionen vom Schirm, braucht es nur einen minimalen Bremseinsatz oder Gewichtsverlagerung, damit er stabil bleibt. Während ich bei einem A-Schirm die Bremse vielleicht 10 cm ziehen muss, damit eine entsprechende Gegenreaktion erreicht wird, brauche ich bei meinem Schirm nur 1-2 cm ziehen. Der Schirm tut also schneller das, was ich möchte.

Kurz zusammengefasst, ich sehe diese Klassifizierungen als grobe Orientierung sehr hilfreich, würde mich aber darauf nicht zu sehr versteifen, weil einfach Sicherheit beim Fliegen von vielen Faktoren abhängt, die außerhalb dieser Einstufungen liegen. Da wäre für mich einmal der Pilot, der drunterhängt und wie aktiv er fliegen kann, wie gut versteht er das Wetter und wie gut kann er fliegbare Verhältnisse einschätzen, wie gut kann er das Gelände lesen und Gefahrenbereiche einschätzen, wie gut kennt er seinen Schirm und seine Fähigkeiten mit ihm umzugehen usw. Und ich denke man sieht sehr schnell, wie viel eigentlich vom Menschen abhängt. Aber man darf natürlich auch nicht vergessen, dass wir einen Sport ausüben, der in der Natur stattfindet.

LG
Sascha

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Hi Sascha und Stefan,

vielen Dank für eure ausführlichen Antworten und Gedanken, von denen ich viele teile.
Ich denke auch, dass zu viele Flieger glauben, Leistung in Form von neuem Equipment einfach hinzukaufen zu können und schnell unter Schirmen hängen, unter denen sie eigentlich nichts zu suchen haben. Die Zeit nach meinem Abgang hat mir enorm bewusst gemacht, dass mit einem freien Kopf und Spaß in der Luft weit mehr zu erreichen ist, als mit einer besseren Gleitzahl.

Ich habe eine klare Vorstellung, was ich vom Fliegen erwarte. Natürlich in erster Linie Spaß. Ich möchte mich in der Luft wohlfühlen, auch wenn es mal bockig ist. Wenn’s zu bockig ist, gehe ich landen, egal unter welchem Schirm ich hänge. Da hat wohl jeder seine eigene Schmerzgrenze (Manche sogar gar keine :-D) Ich möchte aber auch Strecke fliegen, ohne Anspruch auf Rekorde oder das Messen mit anderen. Und hier genieße ich die Leistungen vieler High-B-Schirme oder eben jetzt die des Alpinas, vor allem gegen den Wind. Im Epsilon 8 voll im Beschleuniger gegen den Wind geht es mehr nach unten als nach vorn. Somit gibt mir ein Schirm, der auch mal gut gegen den Wind kann, zusätzlich ein gutes Gefühl.

Der Alpina gefällt mir deswegen am besten, weil mir das Handling absolut taugt und ich intuitiv spüre, was der Schirm will. Und das auf überschaubarem Steuerweg. Er zeigt viel an und vermittelt dennoch Ruhe. Eine Ausgewogenheit, die ich in der Form nicht kannte. Den Swift 5 hab ich auch getestet - hier kam ich mit dem Handling überhaupt nicht zurecht. Der Mentor 5 light vermittelte mir zwar viel Ruhe, klappte aber teilweise ohne jede Vorwarnung, was bei mir dauerhaft zu Misstrauen führte. Der Xi wirkt im Vergleich zum Alpina fast ein wenig „zickiger“.

Der Alpina hat in den letzten 3 Jahren keine schlechten Schlagzeilen gemacht (Hier würden mich die Erfahrungen von Michi interessieren). Oft zeigt sich das Gesicht eines Schirmes ja doch erst, wenn er eine Zeit auf dem Markt ist. Das spricht für mich für den Schirm. Mit Herstellerangaben bin ich immer sehr vorsichtig. Hier und da lässt sich was zwischen den Zeilen lesen, aber am Ende klingen sie alle gleich uns lassen sich nach Baukastenprinzip erstellen. (Spricht breite Masse von Piloten an, Spitzenreiter in seiner Klasse, maximale/hohe passive Sicherheit, für Piloten, die weit UND entspannt fliegen wollen… Irgendwann wiederholen sich die Phrasen einfach. :-D)

Ich versuche auch, mich hier nicht von außen beeinflussen zu lassen. Viele wechseln in die nächste Klasse, weil die Kumpels es auch tun. Ich komme mehr aus nem Fliegerkreis, wo eher im B-Bereich geflogen wird. Meine Sorge wäre wenn überhaupt dann eher, nun als Draufgänger wahrgenommen zu werden, der ich nicht bin. Aktuell bin ich unsicher, was mein Bauchgefühl betrifft (war hier auch in einem anderen Post ein Thema). Kann etwas, das sich so gut anfühlt, doch zu gefährlich sein? Hier bin ich an dem Punkt, dass mein Bauch sagt, dass es der richtige Schirm ist, mein Kopf aber sagt, „Vorsicht, der könnte zu scharf sein“. Schwierig. :wink:

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Servus Max,

ich bin der Michi, von dem Stefan erzählt hat. Zuerst einmal möchte ich sagen, dass ich mich den Meinungen der anderen Posts voll und ganz anschließe. Danke auch an Sascha für die interessanten Ausführungen. Ich versuche deshalb meine Erfahrungen zu erzählen, ohne dass ich Aspekte der anderen Posts wiederhole. Deine Einstellung zu dem Thema deckt sich auch großteils mit meiner, denke ich.

Ich selbst bin ein sehr motivierter Streckenflieger, fliege seit 2014 und bin lange einen Rush 4 geflogen und derzeit fliege ich den Delta3 (seit knapp 2 Jahren). Ich war/bin mit beiden Schirmen sehr zufrieden. Meiner Meinung nach ist der Delta/Alpina einer der besten C-Schirme. Nicht nur weil er mir gefällt, sondern weil er international sehr viel geflogen wird und man nahezu von keinen „schirmverschuldeten“ Unfällen (oder unerklärlichem Flugverhalten) hört. Das ist prinzipiell ein gutes Zeichen und beeinflusst meine Schirmwahl.

Ich persönlich hätte mir nicht gedacht, so früh schon einen C-Schirm zu fliegen. Meine Meinung ist/war, dass Schirmwechsel in eine höhere Klasse nur dann Sinn machen, wenn man streckentechnisch mit seinem Schirm an sein Limit kommt. Das bedeutet für mich: einen C-Schirm zu fliegen macht keinen Sinn, solange man mit einem B-Schirm noch keine weiteren Streckenflüge erzielt hat (für mich waren das so ca. 150 xc-km). Es gibt für mich keinen Grund einen C-Schirm zu fliegen, wenn man nur Abgleiter oder kleine Thermikflüge rund um den Hausberg machen möchte. Denn dafür bringt dir der bessere Gleitwinkel nichts.

Wie Stefan schon gesagt hat, wurde ich etwas „gedrängt“, einen C-Schirm zu fliegen. Aber das von 2 weltklasse Piloten, die meinen höchsten Respekt und mein totales Vertrauen genießen. Sie sagten zu mir: so viel und so motiviert wie ich fliege macht ein C-Schirm durchaus Sinn und ist für mich auch stressfreier zu fliegen. Stressfreier deshalb, weil ich durch den besseren Gleitwinkel einfach weniger oft in schwierige Situationen wie zerrissene Leethermik unter Grat komme… ich komme einfach über Grat an. Nach ein paar Testflügen mit dem Delta bei schwierigen Verhältnissen im Spätsommer war mir klar, der Delta muss es werden. Das Handling war super und die Umstellung von meinem Rush nicht allzu groß. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass man immer bei der Sache sein muss und das ist bei stundenlangen Streckenflügen nicht einfach. Wenns den Schirm mal zerreisst, dann richtig und man muss schnell reagieren können. Einer der beiden Piloten hat mir auch einmal gesagt: du bist bereit einen C-Schirm zu fliegen, wenn du mit einem B-Schirm bei turbulenten Verhältnissen voll beschleunigt fliegen kannst.

Ich fühlte mich lange Zeit sehr wohl mit dem Delta und dann kam ein Dämpfer, den ich gerne mit dir teilen möchte: Nach vielen Flügen war ich zu überzeugt von meiner Schirmkontrolle (denke ich) und habe den Schirm eigenverschuldet abgerissen und bin in einem Schneefeld notgelandet (zum Glück nichts passiert, aber das war mir eine Lehre). Das hat mir gezeigt, dass man mit solchen Schirmen nicht alles wie bei einem B-Schirm machen soll/kann. Die Dynamik des Schirms verleitet aber dazu. Während dem Kurbeln bei böhigem Ostwind (eine ungünstige Windlage bei uns) wollte ich den Kreis enger machen um nicht zu nahe an den Hang zu kommen. Ich habe in einem ungünstigen Moment im Kreisen die Steuerleine innen nachgezogen und den Schirm abgerissen, der dann abgedreht ist und nachdem ich ihn wieder vermeintlich unter Kontrolle gebracht habe, ist er nochmal abgerissen und ich bin zum Glück mit total eingeklapptem Schirm relativ sanft (zum Glück) auf einem Schneefeld aufgekommen. Ich bin danach lange sehr passiv und mit einem unguten Gefühl geflogen. Und bei Turbulenzen ist das kleine C wie du es kennst im Hinterkopf mitgeflogen. Mittlerweile habe ich mich bestens erholt und fühle mich pudelwohl, selbst bei den anspruchvollsten Bedingungen. Das hat mir gezeigt: Erfahrung ist einfach das Allerwichtigste beim Paragleiten! Mut, Talent und Wissen reichen nicht.

Eine weitere Geschichte möchte ich noch mit dir teilen: Letztes Jahr war ich auf Streckenjagd in Brasilien und habe mit dem Gedanken gespielt dort einen Hochleister zu fliegen (Gin Leopard). Nach einem Testflug habe ich gemerkt, dass ich einfach noch nicht auf dem Level bin und bin mit meinem Delta nach Brasilien. Warum soll man sich den Stress wegen ein paar möglichen km mehr antun…das Risiko war mir zu hoch. Ich denke man fliegt am Weitesten unter einem Schirm, unter dem man sich auch wohlfühlt.

Es kommt auch darauf an, wo du überwiegend fliegen möchtest. Bei uns in Westtirol sind die Bedingungen oft sehr anspruchsvoll, deshalb ist meiner Meinung nach bei uns die passive Sicherheit des Schirms wesentlich wichtiger für das Streckenfliegen als der Gleitwinkel, um wirklich weit zu kommen. Im Flachland sehe ich das etwas anders.

Schirmwechsel/Gurtwechsel mache ich prinzipiell im Herbst, um mich bei ruhigen Verhältnissen an die Ausrüstung zu gewöhnen, um dann im Frühling/Sommer fit damit zu sein.

Jetzt muss ich doch abschließend noch einen Punkt wiederholen: und zwar frag dich selbst wie du in den nächsten Jahren fliegen möchtest… reichen dir 100xc-km, dann bleibe bei B, bist du motiviert fürFlüge an die 200xc-km Flüge, dann wäre eventuell der C Schirm etwas für dich. Obwohl auch extrem weite Streckenflüge mit B-Schirmen geflogen werden. Und wie viele Flugstunden du im Jahr machst, spielt natürlich auch eine große Rolle.

Ich hoffe ich konnte dir weiterhelfen (wie gesagt Meinungen gehen auseinander), wünsche dir viel Erfolg bei deiner Entscheidung und schöne Flüge.

Beste Grüße,
Michi

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Ich finde es unheimlich interessant, wie viel man zu solch einem Thema sagen kann.

@Sturmichi Danke für die Sicht von jemandem, der streckenmäßig so viel unterwegs ist wie du. Das war unheimlich aufschlussreich. Echt super! :blush::+1:

@berglicht Max, ich denke du bist schon ganz gut unterwegs und wirst da deinen Weg auch finden. Auch gerade die Perspektive von Michi auf dieses Thema bringt einen ganz gut weiter und wird dir sicher helfen können. Von mir auch alles Gute dabei und viel Erfolg. :wink:

LG
Sascha

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Hey Michi,

vielen lieben Dank für den ausführlichen Input, den ich mir gerne zu Herzen nehme. In der letzten Zeit bin ich oft von uns von der Kampenwand raus ins Flachland, allein deshalb, weil es hier draußen einfach entspannter zugeht. Ich glaube, wenn ich ausschließlich im Flachland unterwegs wäre, würde ich ohne zu zögern den Alpina kaufen. Aber ich will mir das Fliegen in den Bergen nicht vergraulen - gerade hier kommt’s dann doch häufiger etwas ungemütlicher hochgedonnert als im Flachland.

Den Input mit dem „Du bist bereit, einen C-Schirm zu fliegen, wenn du einen B-voll beschleuinigt…“ finde ich mega gut. Ich bin überzeugt, dass das nötige Schirmgefühl für einen C-Schirm zwar absolut da ist, aber wie du schreibst, bei langen Flügen allzeit präsent sein, da muss ich mich noch hinarbeiten, zumal meine Streckenerfahrung noch im überschaubaren Bereich liegt.

Ich hab mich zwar noch nicht entschieden, aber denke, dass ich in der B-Klasse bleiben werde. Jetzt muss ich nur noch einen Schirm finden, der mir von Handling und vermittelter Ruhe ähnlich liegt wie der (oder die?) Alpina.

Danke euch allen für eure Gedanken, Ideen und Denkanstöße! Freue mich, wenn wir uns bei Gelegenheit mal persönlich austauschen können.
LG
Max

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